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Die Ödipusfalle


„Der Traum von der kleinen Unsterblichkeit“
Die Gründer des „Biographiezentrums“

Andreas Mäckler und Stefan Schwidder

Oliver Buslau

TextArt: Autobiobiographien haben ja für einen Boom auf dem Buchmarkt gesorgt. Und das natürlich vor allem, wenn es um Prominente wie Boris Becker und Dieter Bohlen geht. Aber auch immer mehr Privatleute entdecken die Form der Autobiographie für sich...
 
Andreas Mäckler: Biographien werden seit Beginn der menschlichen Geschichtsschreibung verfasst – in allen Gesellschaftsschichten, die des Schreibens mächtig sind. Natürlich erleben sie heute im medialen Zeitalter eine besondere Beachtung – leider komplett verzerrt, denn uns wird suggeriert, dass nur das Leben so genannter Promis interessant und der Aufmerksamkeit wert sei. In Wirklichkeit ist jedes Leben einmalig und faszinierend. Die Krux heute ist, dass die Leute zu wissen meinen, was Boris, Babs und Küblböck treiben, aber sie kennen nicht mehr die Geschichte ihrer eigenen Familie oder die ihrer Nachbarn. Das sind geliehene Identitäten ohne Substanz, mit denen viele Menschen leben. Die meisten Kinder kennen schon nicht mehr alle Vornamen ihrer Eltern und Großeltern, geschweige denn deren Geburtsort.

TextArt: Sie verbreiten ja die These: Wer am Ende seines Lebens keine Biographie hinterlässt, ist endgültig tot....

AM: Das ist keine These, sondern eine Tatsache. Fragen Sie sich selbst: Was wissen wir von den Milliarden Menschen, die bereits gestorben sind und keine Biographie hinterlassen haben? Nichts. So wird es auch mit zukünftigen Generationen geschehen. Wer keine Biographie hinterlässt, ist selbst innerhalb der eigenen Familienerinnerung nach wenigen Jahren endgültig tot.

TextArt: Was möchte man folgenden Generationen denn mitgeben? Familiäres Gemeinschaftsgefühl?

Stefan Schwidder: Einer der am häufigsten genannten Gründe, warum Menschen ihr Leben aufschreiben wollen, ist der Wunsch, den Kindern und Enkeln etwas zu hinterlassen, das ihnen zeigt, wer dieses „Ich“ – ihre Mutter oder Vater, Oma oder Opa – eigentlich war,  was ihn oder sie bewegt hat, es ist der Wunsch, Werte, Ereignisse, Gefühle und Lebenswege festzuhalten. Es gibt genug Untersuchungen, dass die Werte der „Familie“ – wie Schutz, Halt, Vertrauen, Bindung – in Zeiten, die wie diese vom Wegfallen von vermeintlichen Sicherheiten geprägt sind, wieder stark an Beachtung und auch Wertschätzung gewinnen.

AM: Gerade erfolgreiche Menschen, die jahrzehntelang wenig Zeit für die eigene Familie hatten, stellen am Ende ihres Lebens fest, dass ihre Kinder kaum etwas über sie und ihr Leben wissen – vor allem, was die Zeit vor ihrer Geburt angeht. Ich sehe das Ganze zudem als ein Investment in die Zukunft. Ich besitze die Autobiographie meines Ur-Ur-Ur-Urgroßvaters aus dem 19. Jahrhundert. Das sind rund 200 Jahre her. Wenn ich mir vorstelle, dass meine Lebensgeschichte von meinen Nachfahren in 200 Jahren gelesen wird, erfüllt es mich ebenso mit Stolz, so wie ich auch die Lebensgeschichte meiner Großeltern pflege und mit Vergnügen und Hochachtung lese.

TextArt: Man lernt also auch etwas aus früheren Zeiten, sozusagen aus erster Hand...

SW: Natürlich. Mit jeder Autobiographie wird Zeitgeschichte greifbar. Sie erhält ein Gesicht, oder besser: tausende Gesichter. Nur so lässt sich das historisch Geschehene überhaupt richtig einordnen, im wahrsten Sinne des Wortes lebendig machen.

AM: Wir müssen immer daran denken, dass dieser wichtige Aspekt auch uns selbst betrifft: Bereits alltägliche Dinge von heute werden im Jahr 2100 exotisch sein, beispielsweise zum Tanken zur Tankstelle zu fahren. Benzin wird es nicht mehr geben. Das Alltagsleben von heute wird bereits in 50 Jahren mit Faszination wahrgenommen werden.

TextArt: In Ihrem Buch „Ich schreibe, also bin ich“ gehen Sie auch auf die positiven Auswirkungen auf den Erinnernden selbst – die Auswirkungen auf sein Leben, seine Gefühls- und Erfahrungswelt ein. Was kann Biographiearbeit da leisten, inwieweit reicht sie in den therapeutischen Bereich hinein?

SW: Das Ganze hat natürlich mit dem Leben hier und jetzt viel zu tun. Autobiographisches Schreiben ermöglicht eine hervorragende Klärung – wer bin ich, was habe ich im Leben gemacht, warum sind die Dinge so und nicht anders verlaufen? Es ist wie eine Entdeckungsreise, an dessen Ende man sich selbst wieder findet. Wenn man seine eigene Vergangenheit versteht, kann man mit der Gegenwart und auch der Zukunft viel angemessener und besser umgehen. Ich bin allerdings vorsichtig mit dem Begriff „therapeutisch“, da er mir zu sehr ins Medizinisch-Pathologische abrutscht.

TextArt: Aber kann man über die Biographierabeit nicht noch konkreter an Erkenntnisse über sich selbst und das eigene Leben herankommen?

SW: Es gibt doch in jedem Leben sich wiederholende Muster, wir tappen immer in die gleichen Fallen – wir treffen zum Beispiel immer auf den gleichen Typ Mann oder Frau, wir haben immer die gleichen Probleme am Arbeitsplatz, wir erleben wiederholt, dass wir es doch „eigentlich“ besser wussten, aber trotzdem wieder „falsch“ reagiert haben. Wo kommt das her, was ist die Bedeutung dahinter? Durch Biographiearbeit können wir diese Muster und ihre Mechanismen erkennen – es wird ein unbeschreiblicher Schatz sichtbar, wenn wir den Mut haben, unsere Schmerzpunkte im Leben einmal genau anzuschauen und sie in ihrer Kontinuität und Verbindung wahrzunehmen.

TextArt: Ihre Angebot ist nicht billig. Sie berechnen beim Ghostwriting einer Autobiographie, die Ihnen Ihre Kunden erzählen, bis zu 80 Euro die Seite, das sind 8.000 bis 16.000 Euro und mehr für ein Buch von 100 bis 200 Seiten. Es kommen noch Layout- und Druckkosten hinzu, rund ein- bis zwei tausend Euro zusätzlich, die von der Ausstattung und Auflage des Buchs abhängen.

AM: Man muss das immer in den notwendigen Relationen sehen. Eine gute Autobiographie zu schreiben, ist zeitaufwendig und erfordert viel Sorgfalt, außerdem eine hohe Kompetenz. Jede Lebensgeschichte ist einmalig und wertvoll. Unsere Kunst besteht darin, daraus ein spannendes Buch zu schreiben. Es gilt immer zu bedenken, dass wir es mit dem wertvollsten Gut eines Menschen zu tun haben: mit seiner Lebensgeschichte. Die Honorare für Dienstleistungen der in unserem Biographiezentrum versammelten Biographen und Biographinnen beruhen auf Stundensätzen einfacher Handwerksbetriebe, also bei rund 50 Euro in der Stunde. Das sind keine astronomischen Summen, die letztlich zusammen kommen. 16.000 Euro für eine ordentlich geschriebene und produzierte Biographie ist in Hinblick auf viele zukünftige Generationen in Hunderten von Jahren kein Betrag. Jeder Kleinwagen, der nach 10 Jahren Schrott ist, kostet mehr! Unsere Biographien überdauern die Zeiten.

SW: Wir motivieren unsere Kunden, Arbeitsschritte zu übernehmen, die sie selbst erledigen können – so gibt es immer wieder mal im Bekannten- oder Familienkreis jemanden, der die Tonbänder abtippen kann oder sogar selbst die Interviews macht, das ist alles schon vorgekommen. Das erspart natürlich Zeit und Geld, so dass der finanzielle Gesamtaufwand auch bei einer wesentlich niedrigen Summe liegen kann. Wenn die Menschen ihre Lebensgeschichte selbst schreiben und produzieren können, ist das auch ein Weg, den wir unterstützen! Wir geben nahezu wöchentlich Kurse im biographischen Schreiben, können also auch wertvolle Tipps und Hinweise dazu geben, wie man es selbst macht. Die Workshops und Seminare des Biographiezentrums unterstützen den eigenen Arbeitsprozess, auf Schreibreisen in Klöster und an ähnlich zentrierende, inspirierende Orte können sich die Menschen in Ruhe ganz auf Ihre Biographiearbeit konzentrieren und sich fernab des Alltags ganz neu entdecken.
Wir helfen immer da, wo es alleine nicht mehr weitergeht. Dazu gehört auch, dass wir über einen eigenen Verlag die Lebensgeschichten unkompliziert publizieren können.

AM: Die Zusammenarbeit ist für unsere Kunden oft sogar ein großes Vergnügen, wenn sie sich mit der eigenen Lebensgeschichte beschäftigen, sie quasi noch einmal erleben, unterstützt von einem qualifizierten Autor, der monatliche neue Texte liefert. Es ist eine schöne Zeit, die unsere Kunden nicht mehr missen möchten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Preis letztlich für den Kunden weniger wichtig ist. Vielmehr müssen Sie ihm das Vertrauen vermitteln, genau der richtige Partner für seine Lebensgeschichte zu sein! An der Darstellung ihrer Kompetenz scheitern viele Autoren, denn letztlich möchte der Kunde mit dem Buch seinen Traum von – zumindest kleiner – Unsterblichkeit kaufen.

TextArt: Sie haben gemeinsam das „Biographiezentrum“ gegründet und den „Förderverein für biographische Arbeit e.V.“, inzwischen ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Wie muss ich mir das vorstellen? Für wen ist das Zentrum gedacht, aus welchen Bereichen kommen die Mitglieder?

AM: Das große Feld der Biographiearbeit ist immer noch relativ unübersichtlich, da gibt es immer noch viele Einzelkämpfer und Konkurrenzdruck. Unser Ziel war von Anfang an, mit dem Zentrum etwas Verbindendes zu schaffen – ein Forum zu etablieren, in dem die Beteiligten das Potenzial von Synergien, Zusammenarbeit und Austausch pflegen und schätzen. Im Mitgliedsbereich werden zum Beispiel nützliche Arbeitsmaterialien wie Musterverträge oder ein Verzeichnis der Seniorenpresse zum Download angeboten, wir helfen mit Visitenkarten oder Briefpapier im Design des Zentrums. Es kommen Menschen mit unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkten zu uns, das reicht von den klassischen geschriebenen Erinnerungen, also dem Buch, über gesprochene – Hörbuch auf CD – bis hin zu gefilmten, der Filmbiographie. Ein Mitglied hat sich sogar auf biographische Romane spezialisiert. Auch „Beiprodukte“ wie Hochzeits- oder Trauerreden haben wir im Programm. Unsere Mitgliedertreffen, zunehmend mehrfach im Jahr organisiert, bieten neben dem Kennenlernen und Netzwerken vor allem ein dichtes Workshop-Programm zur Weiterbildung. Kunden, die den geeigneten Autor in ihrer Region suchen, können im Mitgliederverzeichnis auf der Website des Biographiezentrums gezielt anhand der Angebotsprofile auswählen und direkt mit dem Dienstleister Kontakt aufnehmen.

SW: Wenn die Mitglieder in Kundengespräche gehen, hat es viel mehr Kraft, wenn sie es unter dem Namen des Biographiezentrums tun, als wenn sie einzeln als Lieschen Müller oder Hänschen Meier irgendwo auftauchen. Das soll auch ein klares Signal für unsere Kunden sein: Sie merken von Anfang an, dass es bei uns um Transparenz, Offenheit und Professionalität geht. Das schätzen sie sehr. Wir haben sogar einen offiziellen Ehrenkodex, dem sich alle Mitglieder verpflichtet fühlen. Gleichzeitig bleibt jedes Mitglied autark und kann selbstverständlich seine weitere persönliche Arbeit völlig unabhängig von uns betreiben.

TextArt: Können alle Ihre Mitgleider von ihrer Biographiearbeit leben?

AM: Autoren müssen findig sein, wollen sie wirtschaftlich überleben. Sie gehören mit den Künstlern zu den einkommenschwächsten Berufsgruppen, zumeist bewegt sich ihr Jahresumsatz unter Sozialhilfeniveau, wenn sie nicht als „feste Freie“ für die Presse oder einen zahlungskräftigen Verlag arbeiten. Von Lesungen und Honoraren aus Buchpublikationen können vielleicht ein Prozent der rund 140.000 Autoren leben, die bei der VG-Wort gemeldet sind und zumindest formal einen Nachweis ihrer publizistischen Professionalität erbracht haben, wobei „Professionalität“ in diesem Zusammenhang nicht als Einkommensnachweis zu definieren ist. Aber: Je dienstleistungsorientierter ein Autor arbeitet, desto eher lässt sich ein regelmäßiges Einkommen erzielen, das seinen Betreiber nährt.

SW:  Es gibt verschiedene Professionalsierungs- und auch Erfahrungsbereiche unter unseren Mitgliedern. Einige machen das schon seit Jahren, die sind in der Regel gut im Geschäft. Andere beginnen gerade erst, und denen geben wir eben Starthilfe. Besonders Autoren und Journalisten, die sich als Biographen dem wachsenden Markt der Privatbiographien widmen möchten, glauben, ein Internetauftritt, Flyer und einige Anzeigen in der regionalen Presse oder Schreibkurse in Volkshochschulen und Altenheimen reichten aus, um ins Geschäft zu kommen. Das ist natürlich ein Irrtum! In unseren Autorenworkshops geht es um Kundenakquise, Marketing, Pressearbeit, Interviewtechniken, stilistische Aspekte, Gestaltungs- und Layoutmöglichkeiten, um Druckmöglichkeiten – und natürlich auch um die menschliche Bindung an unsere Kunden.

AM: Wir versuchen, unser Angebot so auszustatten, dass jeder, der wirklich möchte, innerhalb von zwei oder drei Jahren eine Vollexistenz als Biograph aufbauen kann. Wir haben gerade das Konzept für unsere „Akademie des Biographiezentrums“ abgeschlossen, das auch eine zertifizierte Ausbildung zum Biographen oder zur Biographin umfasst. Das Ganze startet im Herbst 2008 – wir haben schon jetzt ganz wunderbare Rückmeldungen, das wir auf dem richtigen Weg sind.

TextArt: Vielen Dank für das Gespräch!

 

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In: TextArt – Magazin für kreatives Schreiben,
Nr. 4 / 2007, Seite 42-45. www.textartmagazin.de


   

Kriminalromane sind Reiseführer in den Tod

Susanne Beck im Gespräch mit dem Schriftsteller Andreas Mäckler


Susanne Beck: Was ist für Sie Kunst, Herr Mäckler?

Andreas Mäckler: Danke für die Frage. Sie meinen, weil mein erstes Buch Was ist Kunst..? heißt, wüßte ich, was Kunst sei. Das Gegenteil ist der Fall. Kunst ist allgemeingültig nicht zu definieren – für mich ein riskantes Experimentierfeld, wie das Schreiben.


S. B.: Sie sind in sehr unterschiedlichen Bereichen schriftstellerisch tätig – vom Kriminalroman über Zitatensammlungen bis hin zum ADAC Kulturreiseführer – was macht Ihnen am meisten Spaß?


A. M.: Freud und Leid einer Schriftstellerexistenz finden auf mehreren Ebenen statt. Viele meiner Bücher sind Auftragsproduktionen, beispielsweise die Reiseführer und der Designerkrimi Tödlich kreativ (1999, avedition Stuttgart). Da geht es darum, den Vorgaben des Verlags entsprechende Texte zu liefern. Reiseführer machen Spaß, weil man in der Welt herumkommt. Normalerweise ist Schreiben sehr einsam.

S. B.: Wie kam es, daß Sie einen ADAC-Führer geschrieben haben – ist der ADAC einfach an Sie herangetreten?

Ja. Ich habe inzwischen einen guten Ruf als Autor. Bei Auftragsarbeiten ist vor allem Zuverlässigkeit gefragt, und Handwerk. Trotzdem darf sich niemand Illusionen machen: Betriebswirtschaftlich gesehen ist Bücherschreiben der reinste Wahnsinn. Die meisten Schriftsteller, sofern sie nicht verzweifeln, verdienen ihr bißchen Geld mit Übersetzungen, Lektorat, Journalismus oder Taxifahren. Ich kann jedem nur raten, einen Beruf zu ergreifen, der in dieser unkünstlerischen Welt gesellschaftlich tiefer verankert ist: Steuerberater, Informatiker. Machen Sie einen weiten Bogen um Kunst und Literatur als Berufsplattform!

S. B.: In welchem Bereich haben Sie angefangen?

A. M.: Als professioneller Autor im Sachbuchbereich (Kunst, Kultur, Dokumentarfilm), als Jugendlicher habe ich Gedichte geschrieben, die niemand lesen oder hören wollte.

S. B.: Wie kamen Sie überhaupt zum Schreiben? Gab es einen konkreten Anlaß?

A. M.: Ich schrieb schon als 10-jähriger Detektivgeschichten. Eine der Stories spielte in Amsterdam, der Detektiv hieß van Straten – das klang exotisch und reizvoll. Ich kannte weder Holland, noch Amsterdam. So geht es mir bis heute: Schreiben ist ein Abenteuer, bei dem man sich auf etwas einläßt, von dem man keinen blassen Schimmer hat.

S. B.: Versuchen Sie kurz, mir den Beginn und vielleicht auch die ersten Hürden Ihres schriftstellerischen Berufs zu schildern?

A. M.: Die größte Hürde eines Schriftstellers ist die eigene Unfähigkeit, einen Stoff zu bewältigen. Da hilft nur stetiges Üben. Eher unbewußt umging ist dieses Problem, indem ich meine ersten vier Bücher als Zitatensammlungen angelegt habe, als Mosaik vorgefertigter Sätze anderer Autoren, die sich fortlaufend lesen und genießen lassen. Damals war ich 28 Jahre alt und dachte, jedes neue Buch würde automatisch besser verkauft werden. Das Gegenteil war der Fall: Die Auflage meiner 12 Bücher schwankt zwischen 2.000 und 40.000 Exemplaren, der Durchschnitt liegt bei 8.000 verkauften Exemplaren. Von solchen Ergebnissen kann keiner leben.

S. B.: Wie kam es, daß ein Kunsthistoriker begann, Kriminalromane zu schreiben?

A. M.: Mich interessiert nicht nur die lichte Seite des Lebens, sondern auch der Abgrund. Kriminalromane sind Reiseführer in den Tod.

S. B.: Wie kommen Sie auf die Ideen zu Ihren Geschichten und Büchern? Gibt es konkrete Situationen, in die sie sich hineinversetzen?

A. M.: Die Welt ist voller Inspirationsmöglichkeiten. Man muß nur mit offenen Augen schauen und zugreifen. In meinem Kriminalgeschichten, die ich für die YellowPress, TV- und Frauen-Zeitschriften schreibe, variiere ich gern unbewußten Ängste und Wünsche der Leser, beispielsweise Angst vor dem Verlust eines geliebten Partners. Die Strickmuster sind trivial, die Kunst besteht darin, Spannung zu schaffen und gut zu unterhalten. Meine Kurzkrimis werden von Millionen Menschen gelesen.

S. B.: Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher? Welches Medium nutzen Sie dafür am liebsten?

A. M.: Ich lese regelmäßig die Fachzeitschrift Kriminalistik. Außerdem habe ich ein Archiv angelegt, aus dem ich viel Informationen zu Stichwörtern wie Bankraub, Giftmord oder Wirtschaftsdelikte ziehe. Je bizarrer die Fälle, desto fröhlicher machen sie mich. Inzwischen ist auch das Internet zur Fundgrube geworden.

S. B.: Wie entsteht ein Buch? Machen Sie sich Skizzen, einen Handlungsablauf?

A. M.: Kriminalgeschichten werden in der Regel von hinten nach vorne geschrieben, das heißt, man geht von der Lösung des Falls aus, und konstruieren einen Plot, der so gut wie möglich darauf hinführt. Beim Roman sind die Entwicklungsmöglichkeiten umgekehrt. Am Anfang weiß ich nicht, wie's am Ende ausgeht. Das hängt damit zusammen, daß sich das Schreiben eines Romans über Monate und Jahre hinzieht, während ich Kurzgeschichten in wenigen Tagen fabriziere. Die Bibel für Kurzgeschichtenschreiber stammt übrigens von Helmut Hochrain: Die 5000-Mark-Story, oder die Kunst, mit kleinen Geschichten das große Geld zu machen. Ich glaube, das Buch ist im Buchhandel vergriffen, aber über Bibliotheken ausleihbar.

S. B.: Welches Handwerkszeug benutzen Sie? Schreiben Sie mit dem Computer, einem Füller, oder auf einer Schreibmaschine?

A. M.: Gott bewahre, ich arbeite mit dem Computer und will gar nicht daran denken, daß ich meine ersten Bücher mit einer Kugelkopfmaschine schreiben mußte. Grauenhaft, wie umständlich Literaturproduktion einmal war.

S. B.: Zu welcher Tageszeit schreiben Sie?

A. M.: Morgens, mittags, abends – rund um die Uhr, wenn's sein muß.

S. B.: Sind Sie ein sehr disziplinierter Arbeiter, das heißt, haben Sie feste Arbeitszeiten?

A. M.: Unbedingt! Disziplin ist enorm wichtig. Sie müssen sich täglich neu motivieren, es gibt keinen, der auf Ihre Texte wartet. Viele Schriftsteller verzweifeln an den Schwankungen der eigenen Psyche und ihres Marktwerts. Dagegen hilft nur eiserne Disziplin. Ich habe eine 70-Stunden-Woche.

S. B.: Bei so unterschiedlichen Projekten und Tätigkeitsbereichen – kommt es da vor, daß sich Arbeiten überschneiden, oder planen Sie schon vorher, wieviel Zeit Sie sich für die einzelnen Projekte nehmen?

A. M.: Ich arbeite wie ein kleines Handwerksunternehmen täglich an mehreren Texten und Projekten. Auf meiner WebSite (www.maeckler.com) sind Bücher bis ins Jahr 2002 angekündigt. Dazwischen kommen jede Menge neuer Aufträge rein.

S. B.: Wenn Sie einen Tag lang geschrieben haben – legen Sie die Arbeit weg, korrigieren Sie noch oder lassen Sie den ersten Entwurf stehen?

A. M.: Der erste Entwurf ist niemals der letzte! Ich schleife so lange, bis der Text stimmt. Ein Sprichwort sagt: Qualität ist 10 Prozent Inspiration, und 90 Prozent Transpiration. Wenn möglich, sollte man seine Entwürfe einige Tage oder Wochen liegen lassen, um sie später noch einmal kritisch zu lesen.

S. B.: Lassen Sie die Texte jemanden Korrekturlesen?

A. M.: Ich arbeite seit 1994 regelmäßig mit der Münchner Schriftstellerin und Übersetzerin Bettina Blumenberg. Wir redigieren meine Kriminalgeschichten und Romane gemeinsam. Das ist ein mühsamer und kostspieliger Prozeß, lohnt sich aber. Viele Feinheiten und Passagen meiner Stories stammen von Bettina Blumenberg. Jeder Autor sollte mit einem guten Lektor zusammenarbeiten.

S. B.: Sie fragen Dritte nach Ihrer Meinung, bevor ein Buch fertig ist?

A. M.: Natürlich! Ich schreibe meine Bücher und Geschichten für die Leser und den Markt, nicht für mich selbst.

S. B.: Werden Sie von Leuten vom Fach – Ärzten, Polizisten, Detektiven – unterstützt, oder woher nehmen Sie die Informationen für das Fachwissen?

A. M.: Ich recherchiere viel und lasse meine Manuskripte, bevor sie zum Satz freigegeben werden, prinzipiell von Fachleuten gegenlesen, weil sich trotz sorgfältiger Recherche Fehler einschleichen. Meinen Designerkrimi Tödlich kreativ haben Rido Busse, einer der berühmtesten deutschen Designer, und vier anderen Fachleute gegengelesen – außerdem einige meiner Bekannten, die jede Stelle markierten, die sie langweilig fanden.

S. B.: Was lesen Sie, um sich zu inspirieren? Welche Autoren begeistern Sie?

A. M.: Leider komme ich nur am Wochenende zum Lesen von Büchern, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit laufenden Projekten stehen. Ich bewundere Matthias Politycki, früher habe ich Stephen King gelesen. Dadurch, daß ich Mitglied im SYNDIKAT bin, der Vereinigung deutschsprachiger Kriminalschriftsteller, habe ich Kontakt zu vielen Kollegen. Einige schreiben Bücher, die ich auch gern geschrieben hätte. Die Polizistenromane von Horst Eckert sind sehr atmosphärisch.

S. B.: Sind Sie immer auf dem Laufenden über die moderne Literatur, oder interessieren Sie sich nur für bestimmte Bereiche, d.h. vor allem für Kriminalromane?

A. M.: In der zeitgenössischen Literatur bin ich nur bei den Krimis auf dem Laufenden.

S. B.: Lesen Sie Kritiken über sich?

A. M.: Zwangsläufig. Über die schlechten ärgere ich mich auch, obwohl ich weiß, daß jede Rezension (ob gut oder schlecht) immer nur ein Spiegel des Rezensenten ist, niemals des Buchs. Früher – als junger Schnösel – habe ich Bücher anderer Autoren verrissen. Das bereue ich. In jedem Buch steckt viel Leben, Arbeit und Substanz, die kann niemand mit ein paar Zeilen würdigen oder aburteilen. Je mehr Erfolg man hat, desto mehr Neider stellen sich ein.

S. B.: Sie arbeiten zum Teil im Selbstverlag. Ist es immer noch so, daß es die Buchhandlungen einem Selbstverleger nicht einfach machen?

A. M.: Aus meiner langjährigen Erfahrung als Autor, Redakteur und Lektor habe ich 1999 den Autorenratgeber SelbstVerlag – Das eigene Buch erfolgreich vermarkten geschrieben und in meiner eigenen Produktionsfirma, der Sequenz Medien Produktion GmbH (www.sequenz-online.de) publiziert. Wir arbeiten daran, den Vertrieb von Büchern und Informationen über das Internet abzuwickeln und direkt mit den Käufern zu kommunizieren, ohne Fremdverlag und Buchhandel. Zur Zeit funktioniert das nur im Sachbuch-Bereich, wo mit Ratgebern Umsatz gemacht wird. Da die etablierte Verlagslandschaft zunehmend abdankt, ist der Selbstverlag für Autoren die einzige Rettung. Letztlich macht das auch Sinn: Autoren schaffen die Substanz, haben die meiste Arbeit und werden am schlechtesten bezahlt. Diese Ausbeutung muß irgendwann ein Ende haben. Unter der Domain www.xlibri.de bieten wir ab Juni 2000 ständig verbesserte Dienstleistungen für Autoren an. Im Musikbereich gibt es die Independent-Labels der Musiker, davon können Autoren eine Menge lernen. Das Internet eröffnet neue Distributionswege. Wir müssen uns aus der Abhängigkeit von Verlagen und Buchhandel befreien.

S. B.: Sie haben sich für Ihre Bücher mit verschiedensten Künstlern unterhalten und auseinandergesetzt – haben Sie einen "Lieblingskünstler", und wenn ja, warum?

A. M.: Mich faszinieren Kunst und Künstler, weil in ihnen Gefühl und Rationalität, Größe und Erbärmlichkeit, letztlich alle Extreme unserer Existenz verkörpert werden. Einen Lieblingskünstler habe ich nicht – mag aber Max Ernst, Richard Oelze und Timm Ulrichs gern. Ich schaue mir auch Werke von "Sonntagsmalern" an, weil es immer wieder Überraschendes zu entdecken gibt. Ich finde wichtig, daß die Leute versuchen, kreativ zu sein, etwas Substantielles aus sich und ihrem Leben zu machen.

S. B.: Sie haben in einem Ihrer Bücher mit Gottfried Helnwein, einem nicht immer unumstrittenen Künstler, zusammengearbeitet – wie haben Sie ihn als Mensch erlebt?

A. M.: Unser Buch "Malerei muß sein wie Rockmusik" – Andreas Mäckler im Gespräch mit Gottfried Helnwein, das 1992 im Verlag C.H. Beck erschien, wurde vom Buchhandel boykottiert. Inzwischen ist Helnweins Verbindung zu Scientology allgemein bekannt. Der Verlag und ich hatten damals keine Ahnung davon. Der Kontakt zu Gottfried Helnwein ist seitdem abgekühlt. Letztlich durchschaue ich die Vorgänge um Scientology nicht. Helnwein ist in meinen Augen noch immer einer der stärksten deutschsprachigen Gegenwartskünstler. Daß er das Land verlassen mußte – er lebt jetzt in Irland und USA – und unser Buch boykottiert wurde, schmerzt. Wir hatten einen intensiven Austausch, Gottfried Helnwein ist angenehm im persönlichen Umgang. Keine Drogen, kein Alkohol, nur Arbeit. Der Horror in seinen Bildern erscheint mir eher ein Spiegelbild der Gesellschaft, als eine Kartographie seiner Psyche. Ich vermisse ihn sehr.

S. B.: Noch ein paar Fragen zum Mensch Andreas Mäckler: Wie sieht bei Ihnen ein Tagesablauf aus?

A. M.: Langweilig! Sie wären entsetzt! Morgens um 8 Uhr aufstehen, Frühstück, die Computer in meinen zwei Büros anschalten, schreiben, eMails beantworten, telefonieren, manchmal Projekte mit Kollegen und Auftraggebern besprechen, und wieder schreiben den ganzen Tag bis in die Nacht hinein. Nebenbei läuft VH-1, MTV oder Viva. Als Student hatte ich ein schöneres Leben: Vorlesungen und Seminare ab 14 Uhr, Kneipen und Sex. Jetzt bleibt mir nur noch die Arbeit. Ein trauriges Leben, das einzig in seinen Produktionen spannend ist. Heute kann ich die Bücher schreiben, von denen ich früher geträumt habe.

S. B.: Könnten Sie versuchen, mir den glücklichsten Augenblick Ihres Lebens zu schildern?

A. M.: Den glücklichsten Moment hatte ich nach meinem ersten Orgasmus. Den brauche ich wohl niemandem zu schildern. In meinem Roman Die ÖdipusFalle, der vermutlich 2002 erscheint, sind einige erotische Szenen. Ich hoffe, das Buch kommt nicht auf den Index und wird verboten.

S. B.: Interessieren Sie sich für aktuelle Tagespolitik, und wenn ja, wie informieren Sie sich darüber?

A. M.: Ich empfinde die deutsche Politik und ihre Politiker als derart trostlos, daß ich über jeden Moment ohne ihre Präsenz in den Medien glücklich bin.

S. B.: Immer wieder taucht die Beschäftigung mit Rudolf Steiner auf. Wie sehr hat Sie die Waldorfschule geprägt?

A. M.: Anfang des 20. Jahrhunderts war die Waldorfpädagogik eine progressive Reformbewegung, heute sind viele ihrer Erscheinungen veraltet. In meinen Büchern Anthroposophie und Malerei sowie Die Kunst der Anthroposophie (erscheint 2002) behandele ich die Anthroposophie als historisches Phänomen. Vor Rudolf Steiners Leistungen habe ich Respekt, was heutzutage in der anthroposophischen Bewegung passiert, empfinde ich als abgrundtief mittelmäßig und langweilig.

Das Interview erschien erstmals in der Literaturzeitschrift Federwelt, Nr. 24, Oktober/November 2000, Seite 17-22

 

   

Books on Demand and the Net - A Revolution in the Publishing Business?

Interview with Andreas Maeckler

To what extent has the internet changed the book market?

The impact is incredible! But we are just at the beginning of a far-reaching development. We will see that the trinity of author, book seller and reader is not god-given and eternal. In my opinion, the book of the future will change hands directly between the author and the reader. This in turn will cause publishing houses and book stores to go out of business- a trend that is apparent already.

Are you referring to the million-dollar losses that major publishing houses like Rowohlt and Fischer are currently facing?

Yes, for example. At the moment, most publishers are hit by recession. But at the same time it is their name that sustains them, that keeps them going. This is not surprising, as they build on a decade-long history of successful publishing. Yet they are increasingly losing their traditional function- that of innovating, fostering and producing literature. The book market today is not what it was in the 19th. and 20th. century.

Yet at the same time, a growing number of publishers start up new businesses every year. Doesn't that disprove your theory?

No, quite on the contrary. Today, everyone can become a publisher or an online book-seller - thanks to the new media. One should not let oneself be blinded by the increasing number of books that flood the market. If one looks at the number of copies that are sold per title, one will discover that this figure has been plummeting in recent years. And whereas a 1000-copy paperback edition will not suffice to support a big publishing house, it may be highly worthwhile for the author who chooses to market his book himself. Countless pop bands and film makers are already making use of the internet to sell their products. Now authors are following suit.

Can the internet help authors?

Absolutely! Professional authors who hold the rights to their works will be the winners of the digital revolution. Once they have created a work of marketable substance, they can use the net to communicate directly with their target group- namely the readers and buyers of their books. In this scenario, publishers and book stores will become superfluous cost factors.

A method already put to practice by Stephen King and Frederick Forsyth. For a fee, their books can be downloaded from the net.

That's right. Of course Stephen King and Frederick Forsyth are in a class of their own and can hardly be compared with the estimated 10,000 authors and journalists in Germany. My personal opinion is that only non-fictional literature can be profitable on the net. The reason for this is that these types of texts target a specific, clearly defined group of readers. To give an example: aficionados of classical music could easily download a PDF-file with music of their favorite modern composer. The composer would in turn receive a fee that he would not have to split with a publisher or record company. Another example: the electronic version of Urban&Fischer's medical dictionary is far more successful than its paper-and-ink counterpart. Poets like Reinald Goetz and Matthias Politycki have likewise used the net for purposes of promotion. I'm sure that young "pop-authors" such as Benjamin von Stuckrad-Barre will soon make profitable sales on the net.

What do you think of electronic books like the Rocket eBook? It hasn't been particularly successful, has it? Do you think this will change?

No, I don't think so. After all, what use is a finicky little thing with a small screen? The resolution isn't too good either. Plus, the exchange of books via the net works much more efficiently; one can simply download the relevant text and read it on one's PC. One could also print it off, if one wants to. So why buy a special reading device? Sales of electronic books have gone down so significantly in the last years that its manufacturers are thinking of handing out their equipment for free, like cell phones. They hope that the publishers will chip in money to get the idea off the ground. But hardly anyone wants e-books; they are useless even as presents. I don't know, maybe one could get lawyers interested in this type of technology. After all, laws and law texts change all the time.

Companies in the U.S. are currently working on electronic paper. Would that be a better alternative than electronic books?

It will take years, if not a decade to establish electronic paper on the market. The only technology that deserves to be called marketeable at this point is a production procedure called "Book on Demand". This allows books to be printed singly after they have been ordered. BoD is revolutionizing the world of publishing.

Could you explain what the advantages of this technology are?

Sure. The principle is that PDF- and PSD-Files are digitally printed and bound with a coloured cover. The production of a book is almost fully automatic and takes only few minutes. In theory, one could print editions with only a single copy. Needless to say, if one wants to make profit, one needs to print a whole lot more. If one makes up 200 paperbacks with 160 pages each, one will have to invest about 1000 DM. Many authors chose to use QuarkXpress to design the layout themselves. But that doesn't explain the term "on demand". Quite right. The idea behind this technology is that a book is only printed and delivered when it has been ordered either from the book sellers, the readers or the author himself. No need for storage space or advance investments.

Borders.com, an American company, has set up special units in bookstores that will automatically download requested books from the net. These electronical files are then printed and bound. 15 minutes later the customer can take the finished book home.

I'm convinced that this method will at some point be used in major bookstores in Germany too; not in the near future, though. Is anyone actually using this technology and making money with it? An increasing number of publishers and authors put out the first editions of their books as BoD, as this is a convenient way to test their market potential. Quite apart from that, the technology allows changes in the text of each small edition, a factor that certainly has siginificance if one wants to introduce advertisements, or if the text of a company's product manual needs to be updated frequently. Thanks to BoD, the production price of a high-quality book is now so low that this printing technology has become a worthwhile alternative not only for amateurs but also for professional writers who use it to keep books available that would otherwise go out of print. Of course the printers are still making the bulk of the money, especially when it gets down to publishing the works of amateur writers. Yet authors of specialized non-fictional literature are certainly able to use BoD to their advantage. They frequently make more money by selling small editions directly to their target group than by using the conventional method where they end up having to share the spoils of a large edition with a publishing company. What is more, specialized information is increasingly sought for directly through the net: an incredible opportunity for all non-fiction writers who want to do business without wasting money on publishers and booksellers.

Recently, "hyperfiction" was the big buzz-word. Whatever happened to that?

The internet is an ideal medium for the collective creation of texts. During the Leipzig Book Fair, an East German broadcaster started an interesting project: the internet community was asked to write a sequel to Goethe's "Leiden des jungen Werther". "Get Mail" is a book published and produced entirely on the net. It gains its poetic strength through a chain of links.

In your Book "Books on Demand" you mention publishers/dealers like Fatbrain. Do similar companies exist in Germany?

Sadly no. Fatbrain.com is not merely a virtual bookseller, it also accepts manuscripts for publication and pays authors to write essays. According to many U.S.-publishers, their policy is harming business. If one publishes a manuscript through Fatbrain.com, one gets 50% of the sales price, whereas traditional publishing houses will only pay 5% to 10%. No wonder that some authors herald the internet as a liberation from slavery.

Looking ahead twenty years, will the Frankfurt Book Fair of the future take place entirely on the net?

No, surely not. The truth is that no one can really say how the book market of the future will look like, if books will still exist as a mass consumer good, or if texts will be read as on demand literature or as digital files. Even though the internet is a great forum if one wants to communicate, this won't change the fact that the industry will continue meeting here in Frankfurt.

An abridged version of an interview was published under following headline: "e-books are superfluous"- Author Andreas Maeckler (42) on the book industry in the digital age, on e-books and on the Frankfurt Book Fair.

 

   
 

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